Mechanismus und Vitalismus

Wolff, Gustav

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Worum es bei diesem Gegensatzpaar geht analysiert ein Artikel im „Lexikon der Biologie“ von Franz M. Wuketits.

„Durch die Geschichte der Wissenschaften vom Leben (Biologie, Biowissenschaften) zieht sich gleichsam wie ein roter Faden die Frage, ob Leben allein durch physikalisch-chemische Eigenschaften hinreichend charakterisiert werden kann oder ob dafür Prinzipien erforderlich sind, die über die in den Wissenschaften vom Anorganischen ergründeten Gesetzlichkeiten hinausgehen. Diese Frage hat heute nach wie vor ihre hervorragende Bedeutung: Ist Leben bloß eine Wechselwirkung von Molekülen? Oder müssen wir zu seiner Bestimmung auf besondere Eigenschaften, vielleicht gar „geistige Prinzipien“ zurückgreifen?
Aristoteles (384–322 v.Chr.) hatte die Eigengesetzlichkeit lebender Systeme erkannt und postulierte hierfür das Wirken einer spezifischen Kraft, die er „Entelechie“ nannte. Aber schon sein Schüler Theophrast (372–287 v.Chr.) behauptete, Leben sei mechanisch determiniert, und man müsse bei der Beschreibung und Erklärung der Lebewesen daher so vorgehen wie in den „mechanischen Künsten“. So entstand die Vitalismus-Mechanismus-Kontroverse. Die Geschichte philosophischer Fragen in der Biologie kann als ein Wechselspiel von vitalistischen und mechanistischen Konzepten dargestellt werden.
In der vitalistischen Denktradition (Vitalismus) wird Leben sozusagen von oben bestimmt; mitunter wird Leben dabei buchstäblich als eine Entäußerung des Geistes betrachtet. Der Mechanismus hingegen postuliert, Leben sei nichts anderes als Mechanik, wobei Lebewesen häufig als Maschinen beschrieben, ja mit Maschinen identifiziert werden. Während Aristoteles kein Vitalist im strengen Wortsinn war, da er lediglich die Besonderheiten lebender Systeme gegenüber dem Unbelebten betonte, vertraten andere Autoren die These von der Abhängigkeit aller Lebensvorgänge von geistigen Prinzipien und bezeichneten diese Prinzipien als „spiritus“ oder als anima. Die Biologie selbst erlebte seit dem 16. Jahrhundert eine stürmische Entwicklung. Man begann, die Lebewesen empirisch zu untersuchen und stützte sich nicht mehr allein auf die über das Mittelalter überlieferten antiken Autoren. So hatte sich allmählich eine Maschinentheorie des Lebens abgezeichnet: Man war bestrebt, die Lebensfunktionen auf allgemeine (mechanische) Gesetze zurückzuführen, umgekehrt aber auch Lebewesen in Maschinen, Automaten, nachzubilden (künstliches Leben, Robotik). Während somit die mechanistische Tradition alles Leben auf physikalische, vor allem mechanische Gesetze reduziert hat, versuchten die Lebenskraftlehren die Eigenständigkeit des Lebenden herauszustreichen.“¹

In den folgenden Jahrhunderten wogte der Streit hin und her: mal schienen die „Mechanisten“ die besseren Argumente zu haben, mal die „Vitalisten“. Mit der Entwicklung der Molekularbiologie und vor allem der Entschlüsselung des menschlichen Genoms im 20. Jahrhundert scheint die Diskussion zugunsten der „Mechanisten“ entschieden zu sein, die sich heute freilich nicht mehr so bezeichnen.

¹https://www.spektrum.de/lexikon/biologie/vitalismus-mechanismus/69730

Signatur

Autor: Wolff, Gustav
Erscheinungsort: Leipzig
Verlag: Georg Thieme
Erscheinungsjahr: 1902
Sprache: Deutsch
Seiten: 36
Gewicht in gramm: 67
Größe in cm: 23,5 x 16,7
Ausstattung: Heft; Fußnoten
Bewertung: Gebraucht/Benützungsspuren sichtbar; berieben und bestoßen; ein Einriss im Heftumschlag wurde repariert; Stempel des Vorbesitzers auf der Vorderseite