Die Globalisierungsfalle. Der Angriff auf Demokratie und Wohlstand

Martin, Hans-Peter; Schumann, Harald

2,50 

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Das Buch war bei seinem Erscheinen 1996 ein Aufreger und ein Bestseller im Bereich Sachbücher. Es „beschäftigt sich vor allem mit den Auswirkungen der Globalisierung. Es beschreibt eine wachsende soziale Spaltung als Folge einer „Entgrenzung“ der Ökonomie und eines Verlusts der staatlichen politischen Kontrolle über die zunehmend von Weltkonzernen gesteuerte Wirtschaftsentwicklung. Die Autoren warnen vor einer so genannten „20-zu-80-Gesellschaft“. Sie schildern, wie auf einer Konferenz auf Einladung Michail Gorbatschows des von ihm so bezeichneten „Globalen Brain Trusts“ aus 500 führenden Politikern, Wirtschaftsführern und Wissenschaftlern aus allen Kontinenten vom 27. September bis 1. Oktober 1995 im Fairmont-Hotel in San Francisco der Begriff „Einfünftelgesellschaft“ aufkam. Auf dieser Konferenz durfte Hans-Peter Martin als einer von drei Journalisten an allen Arbeitskreisen teilnehmen.“¹

¹https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Globalisierungsfalle

Im Klappentext des Buches skizzieren die Autoren selbst ihr Werk folgendermaßen:

„Drei aufwühlende Herbsttage in San Francisco, Ende September 1995: Die Machtelite der Welt, 500 führen­de Politiker, Konzernchefs und Wissenschaftler, disku­tiert hinter verschlossenen Türen das 21. Jahrhundert. Die Einschätzung der Weltenlenker ist verheerend: Nur mehr ein Fünftel aller Arbeitskräfte werde in Zukunft benötigt. Der überwältigende Rest — 80 Prozent — müsse mit «tittytainment» bei Laune gehalten wer­den, einer Mischung aus Entertainment und Ernäh­rung am Busen («tits») der wenigen Produktiven. Mit beängstigender Geschwindigkeit nähern sich die bisherigen Wohlstandsländer dieser Schreckens­vision: Allein in Deutschland finden mehr als sechs Millionen Arbeitswillige keine feste Anstellung. Kein Job scheint mehr sicher, nach den Fabrikarbeitern bei VW, Philips oder Olivetti bangen in Europa jetzt Millionen Ingenieure, Bankangestellte, Telekombeschäftigte und sogar Computerspezialisten um ihre Arbeits­plätze. Allerorten ist die Klage zu hören: China, Indien und Europas Oststaaten seien mit ihren Billigstlöhnen die neuen Konkurrenten am Weltmarkt, man müsse sich an ihnen orientieren. Die Wucht der Globalisierung eint die Welt, doch gleichzeitig zerfällt diese eine Welt. Wie Anarchisten des 21. Jahrhunderts setzen Manager milliardenschwe­rer Investmentfonds und Weltkonzerne die National­staaten matt. Dabei treiben Politiker die Deregulierung immer schneller voran und halten sich dennoch — wie die Wirtschaftsführer — nur für Getriebene der brutalen Dynamik. Das Ergebnis sind immer neue Sparprogramme und Massenkündigungen. Länder wie Brasilien steigen zum Weltmodell auf: Die Reichen zie­hen sich in Ghettos zurück, der Großteil der Bevöl­kerung bangt um seine Existenz. Gleichzeitig ist es für viele Wohlstandsbürger so bequem geworden, auf den Weltuntergang zu warten. Das Tempo der Globalisierung überfordert alle. Ver­unsicherte Bürger suchen ihr Heil in Abgrenzung und Abspaltung. Vor dem eiskalten Effizienzwettlauf fliehen sie hin zur vermeintlichen Wärme moderner radikaler Verführer — von Scientology über Ross Perot bis Jörg Haider. Doch der Angriff auf Demokratie und Wohl­stand ist keineswegs das Resultat eines unaufhaltsa­men technischen und wirtschaftlichen Fortschritts. Es gibt realistische Alternativen, die Globalisierung muß nicht in die Sackgasse führen. Ein Leben in sozialem Frieden wäre weiterhin möglich.“

Diese Alternativen formulieren die Autoren am Ende des Buches als „Zehn Ideen gegen die 20:80 Gesellschaft“. Sie reichen von einer demokratisierten und handlungsfähigen Europäischen Union (Idee 1) bis zum Stopp der Deregulierung ohne sozialen Flankenschutz (Idee 10). Lesen Sie selbst, verehrte Besucherinnen und Besucher der Schmökerei, wie der Befund der Autoren zum Zustand der Welt in der Mitte der 1990er Jahre und im Hinblick auf das 21. Jahrhundert aussah, was sie sich haben einfallen lassen, um die Entwicklung verträglicher zu gestalten und wie die globale Situation heute, knapp 35 Jahre nach Erscheinen des Buches, sich präsentiert.

Hans-Peter Martin wurde 1957 in Bregenz geboren, studierte Rechts- und Politikwissenschaft an der Universität Wien und promovierte dort 1984 zum Dr. iur. 1978 arbeitete er als Hilfsarbeiter in der Textilfabrik F. M. Hämmerle und verfasste darüber das Buch Nachtschicht. Eine Betriebsreportage.1980 arbeitete er als Tellerwäscher eine Saison lang im Hotel Klosterbräu in Seefeld und schrieb darüber eine Artikelserie für das österreichische Magazin Profil. 1981 veröffentlichte er gemeinsam mit Kurt Langbein, Hans Weiss und Roland Werner das Enthüllungsbuch Gesunde Geschäfte. Die Praktiken der Pharmaindustrie“. 1983 veröffentlichte er mit demselben Autorenteam den Medikamentenratgeber Bittere Pillen“. Bereits damals arbeitete er für das deutsche Nachrichtenmagazin Der Spiegel“. 1986 wurde er Redakteur, ab 1989 Südamerika-Korrespondent des „Spiegel“ mit Sitz in Rio de Janeiro. 1996 wurde er Korrespondent in Wien und Prag. 1989 war er Mitautor des Kursbuch Gesundheit“. Internationale Aufmerksamkeit erlangte er 1996 mit dem mit Harald Schumann verfassten globalisierungskritischen Sachbuchbestseller Die Globalisierungsfalle. Der Angriff auf Demokratie und Wohlstand“. Das Buch wurde in 27 Sprachen übersetzt. 2009 verfasste Martin das Buch Die Europafalle. Das Ende von Demokratie und Wohlstand“. Der Verlag Penguin Random House veröffentlichte im September 2018 ein neues Buch von Martin. Der Titel lautet Game Over. Wohlstand für wenige, Demokratie für niemand, Nationalismus für alle – Und dann?“ Das Buch wurde auf die Shortlist für den Deutschen Wirtschaftsbuchpreis 2018 gesetzt. Von 1996 bis 1999 saß Martin im Aufsichtsrat von Greenpeace Deutschland, 1997 wurde er Mitglied des „Club of Rome“. Martin war von 1999 bis 2014 ununterbrochen Mitglied des Europäischen Parlaments. 2004 kandidierte er mit einer eigenen „Liste Dr. Martin“ in Österreich für das Europäische Parlament und war mit 14,04% sehr erfolgreich. 2009 konnte er dieses Ergebnis mit 17,7% sogar noch übertreffen. In Österreich, wo Martin 2006 ebenfalls mit seiner „Liste Dr. Martin“ bei der Nationalratswahl kandidierte, war er aber nicht so erfolgreich. Mit 2,8% der abgegebenen gültigen Stimmen scheiterte er klar an der 4% Hürde. Insgesamt verstand sich Martin stets als „Prellbock gegen rechts“. Ende März 2014 gab Martin bekannt, nicht mehr für die Europawahl 2014 zu kandidieren und sich mit Ende der Legislaturperiode aus der Politik zurückzuziehen. Die Entscheidung begründete er in der Wiener Wochenzeitung Falter“ damit, dass „zu viele Mächtige in Österreich […] keine echt unabhängige Person in der Politik“ wollten und „der Sog hin zur rechtsradikalen FPÖ […] beängstigend stark“ sei. Er sehe deshalb „keine sinnvolle Möglichkeit mehr, diesem gefährlichen Rechtsruck ausreichend entgegen treten zu können“ und konstatierte eine „beängstigende Sehnsucht nach einem neuen Heil-Hitler-Gefühl.“ In Zukunft werde er zum Journalismus und zum Bücherschreiben zurückkehren.²

²https://de.wikipedia.org/wiki/Hans-Peter_Martin

Signatur

Autor: Martin, Hans-Peter; Schumann, Harald
Erscheinungsort: Reinbek bei Hamburg
Verlag: Rowohlt
Erscheinungsjahr: 1997
Auflage: 11. Auflage
ISBN: 3498043811
Sprache: Deutsch
Seiten: 352
Gewicht in gramm: 435
Größe in cm: 20,6 x 12,8
Ausstattung: Paperback; mit Anmerkungsverzeichnis, nach Kapiteln gegliedert
Bewertung: Geringe Gebrauchsspuren/guter Zustand; Buchdeckel leicht abgegriffen mit kleinen Kratzern