Artur Mahraun, der Wegweiser zur Nation. Sein politischer Weg aus seinen Reden und Aufsätzen

Höhn, Reinhard

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Folgt man dem Untertitel des Werkes, handelt es sich um eine indirekte und politische Biografie, da sie lediglich aus den mündlichen und schriftlichen Äußerungen des Gründers und „Hochmeisters“ des „Jungdeutschen Ordens“ konstruiert wurde, noch dazu zu einer Zeit als beide, Hochmeister wie Orden, noch mitten im politischen Geschehen standen.

Der „Jungdeutsche Orden“ war ein völkisch-nationalistischer Wehrverband zurzeit der Weimarer Republik. 1920 gegründet vertrat der Orden – die Bezeichnung „Orden“ folgt dem Aufbau und dem Gliederungsprinzip des mittelalterlichen „Deutschen Ordens“ und hat mit religiösen Orden nichts gemein – zu Beginn eine pointiert nationalistische, militaristische und antisemitische Ideologie, die ihn als einen wichtigen Akteur innerhalb der „Völkischen Bewegung“ Deutschlands in der Zwischenkriegszeit erscheinen ließ. Der Ausgangspunkt dieser Ideologie beruhte auf dem sogenannten „Fronterlebnis“, ein nach dem Ende des Ersten Weltkrieges weit verbreiteter Begriff, das den einzelnen Soldaten nicht so sehr als Angehörigen eines Millionenheeres sah sondern als Teil einer überschaubaren Gemeinschaft, der Gemeinschaft des Schützengrabens und seiner Kompanie, zu der er sich zugehörig fühlte und auf die er sich verlassen konnte. Der Verfasser war als Kompanieführer im Ersten Weltkrieg selbst Teil dieses „Fronterlebnisses“ und brachte es als ideologischen Grundbaustein in den „Jungdeutschen Orden“ ein. Ab den späten 1920iger Jahren versuchte der Orden mehr und mehr die Ideologie des „Fronterlebnisses“ in die politische Sphäre zu überführen, indem er ein System von überschaubaren „Nachbarschaften“ entwickelte, die als Keimzelle der politischen Ordnung dienen sollten. Er geriet damit immer stärker in Gegensatz zum aufstrebenden Nationalsozialismus, der auf die Beeinflussung und Lenkung der Massen abzielte, was schließlich zur Auflösung des „Jungdeutschen Ordens“ 1933 und zur zeitweisen Inhaftierung Mahrauns führte.

Es ist vorteilhaft, bei der Lektüre dieses Werkes Umsicht und kritische Distanz walten zu lassen, denn der Autor war von 1923 bis 1932 selbst Ordensmitglied, eine unvoreingenommene Darstellung kann daher nicht erwartet werden. Dass Reinhard Höhn ab 1933 dann Karriere innerhalb der NSDAP und der SS gemacht hat, spielt hingegen keine Rolle, da die Biografie bereits 1929 erschienen ist, für die geistige Verwandtschaft innerhalb der „Völkischen Bewegung“ mag dies aber ein Indiz sein.

Signatur

Autor: Höhn, Reinhard
Erscheinungsort: Rendsburg
Verlag: Schleswig-Holsteinische Verlagsanstalt
Erscheinungsjahr: 1929
Sprache: Deutsch
Seiten: 143
Gewicht in gramm: 342
Größe in cm: 23,5 X 16,1
Ausstattung: Gebunden, Leinen; Frakturdruck
Bewertung: Geringe Gebrauchsspuren/guter Zustand; leicht fleckig; Stempel des Vorbesitzers auf Vorsatz- und Titelseite; zusätzlicher Namenszug auf der Vorsatzseite